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Selbstliebe und Selbstwert

Wenn du alte Tagebücher liest und dich für früher schämst

lucian · 24.09.2026 · 1 Min. Lesezeit

Beim Aufräumen findest du ein altes Tagebuch. Manche Sätze erscheinen dir dramatisch, manche Entscheidungen naiv. Du liest weiter und behandelst dein früheres Ich gedanklich wie eine fremde Person, über die du dich lustig machen darfst. Dabei kennst du heute Dinge, die damals fehlten.

Halte bei einer unangenehmen Stelle an und ergänze den damaligen Zusammenhang. Wie alt warst du? Welche Informationen hattest du, und von wem warst du abhängig? Diese Fragen entschuldigen nicht automatisch jede Handlung, verhindern aber ein Urteil ausschließlich mit deinem heutigen Wissen.

Schreibe bei Bedarf eine kurze heutige Notiz auf ein separates Blatt. Sie darf anerkennen, was schwierig war, und benennen, was du inzwischen anders machst. Als Ergänzung eignet sich Deinen Werdegang würdigen: Warum deine Geschichte deinen Wert bezeugt. Das ursprüngliche Tagebuch musst du dafür weder korrigieren noch vernichten.

Du entscheidest, ob du die Hefte aufbewahrst, verschließt oder entsorgst. Lass dir damit Zeit, wenn die Lektüre aufwühlt. Ein privates Zeugnis deiner Entwicklung muss niemandem gefallen. Du kannst den Karton schließen, ohne zuvor jeden alten Satz mit dir ausgehandelt zu haben.